Wie aktuell ist das amtliche Luftbild? Befliegungszyklen und Auflösung in allen 16 Bundesländern
In unserem letzten Beitrag ging es um Auflösung und Genauigkeit. In der Diskussion dazu kam schnell ein dritter Punkt auf: die Aktualität. Viele Planungen starten mit den amtlichen Orthofotos der Länder – doch wie alt ist das Luftbild eigentlich, das gerade auf dem Bildschirm liegt?
Wir haben uns angesehen, wie oft die 16 Bundesländer befliegen und in welcher Auflösung sie ihre Orthofotos bereitstellen. Das Ergebnis zeigt: Zwischen den Ländern gibt es deutliche Unterschiede.
In unserem letzten Beitrag ging es um Auflösung und Genauigkeit. In der Diskussion dazu kam schnell ein dritter Punkt auf: die Aktualität. Viele Planungen starten mit den amtlichen Orthofotos der Länder – doch wie alt ist das Luftbild eigentlich, das gerade auf dem Bildschirm liegt?
Wir haben uns angesehen, wie oft die 16 Bundesländer befliegen und in welcher Auflösung sie ihre Orthofotos bereitstellen. Das Ergebnis zeigt: Zwischen den Ländern gibt es deutliche Unterschiede.
So entstehen die amtlichen Orthofotos
Die Vermessungsverwaltungen der Länder lassen ihre Landesfläche regelmäßig aus dem Flugzeug befliegen. Aus den Luftbildern entstehen digitale Orthofotos (DOP): entzerrte, maßstabsgerechte Luftbilder, die bundesweit nach einem einheitlichen Standard geführt werden.
Dieser Standard ist das DOP20 mit einer Bodenauflösung von 20 cm pro Pixel und einer Lagegenauigkeit von ±0,4 m. Einige Länder stellen zusätzlich feinere Produkte mit 8 oder 10 cm bereit. In den meisten Ländern sind die aktuellen Orthofotos kostenfrei als Open Data erhältlich.
Beflogen wird in der Regel nicht das ganze Land auf einmal, sondern jedes Jahr ein Teil davon – zum Beispiel die Hälfte oder ein Drittel der Landesfläche. Daraus ergibt sich der Turnus, in dem ein Ort neu aufgenommen wird.
Befliegungsturnus und Auflösung nach Bundesland
Die Karte zeigt auf einen Blick, wie oft die Länder befliegen. Die Tabelle ergänzt die Bodenauflösung.
| Bundesland | Befliegungsturnus | Bodenauflösung |
|---|---|---|
| Baden-Württemberg | alle 2 Jahre | 20 cm, zusätzlich 10 cm |
| Bayern | alle 2 Jahre | 20 cm |
| Berlin | jährlich | 20 cm |
| Brandenburg | alle 3 Jahre | 10 cm |
| Bremen | keine Angabe gefunden | 8 cm und 20 cm |
| Hamburg | jährlich | 20 cm |
| Hessen | alle 2 Jahre | 20 cm |
| Mecklenburg-Vorpommern | alle 3 Jahre | 10 oder 20 cm je nach Flugjahr |
| Niedersachsen | alle 3 Jahre | 20 cm |
| Nordrhein-Westfalen | alle 2 Jahre | 10 cm |
| Rheinland-Pfalz | alle 2 Jahre | 20 cm |
| Saarland | keine Angabe gefunden | 20 cm |
| Sachsen | alle 2 Jahre | 20 cm |
| Sachsen-Anhalt | alle 2 Jahre | 20 cm, regional 10 cm |
| Schleswig-Holstein | alle 2 Jahre | 20 cm |
| Thüringen | alle 2 Jahre | keine Angabe gefunden |
Stand: November 2026, nach den Angaben der Landesvermessungsämter – die Ländernamen führen zu den jeweiligen Orthofoto-Seiten. Wo die Ämter den Anteil der jährlich beflogenen Landesfläche nennen, haben wir den Turnus daraus abgeleitet.
Was das für die Aktualität bedeutet
Bei einem Zwei-Jahres-Turnus ist das amtliche Orthofoto an einem beliebigen Ort im Schnitt etwa ein Jahr alt, im ungünstigsten Fall zwei Jahre. Bei einem Drei-Jahres-Turnus können es entsprechend drei Jahre sein.
Hinzu kommt die Zeit zwischen Bildflug und Veröffentlichung. Bis aus den Luftbildern fertige Orthofotos werden, vergehen oft mehrere Monate – je nach Land und Fläche auch bis zu einem Jahr.
Für viele Fragestellungen ist das unproblematisch. Auf Baustellen, Betriebs- und Lagerflächen oder in Neubaugebieten verändert sich in dieser Zeit aber viel. Das Luftbild zeigt dann einen Stand, der vor Ort längst überholt sein kann.
Amtliche Daten oder eigene Befliegung?
Die amtlichen Orthofotos sind eine wertvolle Grundlage. Ob sie für ein Projekt ausreichen, hängt von drei Fragen ab:
| Frage | Amtliche Orthofotos | Eigene Drohnenbefliegung |
|---|---|---|
| Wie aktuell müssen die Daten sein? | Stand des letzten Landesbildflugs | Stand vom Tag der Befliegung, Termin frei wählbar |
| Welche Details müssen erkennbar sein? | 8 bis 20 cm je Pixel | 1 bis 2 cm je Pixel |
| Wie genau müssen die Maße sein? | ±0,4 m Lagegenauigkeit (DOP20) | wenige Zentimeter mit RTK und Passpunkten |
Für einen ersten Überblick, eine Standortbewertung oder eine frühe Vorplanung sind die amtlichen Daten oft eine gute Wahl. Sobald ein aktueller Stand, Details wie Schachtdeckel und Borde oder belastbare Maße gefragt sind – etwa für Lageplan, Bestandsaufnahme oder Massenermittlung –, lohnt sich eine eigene Befliegung mit Drohnenvermessung. Auf Basis der Luftbilder entstehen per Photogrammetrie dann Orthofotos, Höhenmodelle und 3D-Daten mit dem Stand von heute.
Fazit
Amtliche Orthofotos sind flächendeckend, einheitlich und meist kostenfrei verfügbar. Wie aktuell und detailreich sie sind, unterscheidet sich jedoch von Bundesland zu Bundesland deutlich. Wer mit Luftbildern plant, sollte deshalb vorab prüfen, wann das Gebiet zuletzt beflogen wurde – und ob dieser Stand für das Projekt ausreicht.
CopterCloud berät Sie gern, ob die vorhandenen Daten für Ihr Vorhaben genügen oder eine eigene Befliegung sinnvoll ist. Sprechen Sie uns an: 040 55 89 16 90 oder info@coptercloud.de.


